Nicht bilanzierte immaterielle Vermögenswerte

Die Unternehmensentwicklung der EnBW ist auch von einer Reihe immaterieller Vermögenswerte abhängig, die nicht in der Bilanz erfasst werden. Das Human-, Struktur- und Beziehungskapital der EnBW, das sogenannte intellektuelle Kapital, hat einen bedeutenden Einfluss auf die Geschäftstätigkeit und den Wert des Unternehmens.

Das professionelle Management des intellektuellen Kapitals ist für uns eine strategische Aufgabe. Die EnBW nutzt hierfür als einziges Großunternehmen in Deutschland seit dem Jahr 2005 den Ansatz der „Wissensbilanz – Made in Germany“. Die Einflussfaktoren des intellektuellen Kapitals werden dabei in den zentralen Gesellschaften des Konzerns von fachlich und hierarchisch repräsentativ zusammengesetzten Mitarbeitergruppen im Rahmen einer systematischen Selbsteinschätzung beurteilt. Mithilfe von 27 Fragen werden die Qualität und Quantität der einzelnen Faktoren sowie die Systematik bewertet, mit der die Faktoren im Unternehmen entwickelt werden. Die Ergebnisse der Befragungen in den zentralen Gesellschaften werden in einem rollierenden Verfahren1 konsolidiert und ermöglichen eine Einschätzung der Entwicklung des intellektuellen Kapitals im Konzern. Optimierungsfelder werden identifiziert und Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet und überwacht. Auf Basis der Ergebnisse der Wissensbilanz in den Jahren 2005 bis 2009 wurden insgesamt 259 Maßnahmen zur Entwicklung des intellektuellen Kapitals in Angriff genommen. Etwa 30 % der Initiativen fokussierten den Bereich Wissensaufbau und -transfer. Etwas über 30 % entfielen auf Verbesserungen bei Prozessen im Unternehmen. Maßnahmen zur Prozessoptimierung beinhalteten beispielsweise die Erstellung einer Prozesslandkarte, die Etablierung von Standardprozessen zur Dokumentation oder die Überarbeitung von Prozessbeschreibungen. Um Produktinnovationen zu forcieren, haben drei Gesellschaften mit besonders ausgeprägtem Kundenkontakt die Einbindung von Kooperationspartnern wie Hochschulen oder Franchise-Nehmern intensiviert.

Die Ergebnisse der Wissensbilanz 2010 zeigen, dass die Bewertungen für Human-, Struktur- und Beziehungskapital der EnBW im guten Bereich liegen. Die Einschätzung des Humankapitals verbesserte sich weiter. Struktur- und Beziehungskapital blieben insgesamt weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres.

Liniendiagramme: Entwicklung der Einflussfaktoren des intellekuellen Kapitals der EnBW

Strukturkapital: Im Vergleich zum Vorjahr blieben die einzelnen Faktoren des Strukturkapitals 2010 weitgehend unverändert auf einem guten Niveau. Die Unternehmenskultur wird insgesamt als angenehm, konstruktiv und gut wahrgenommen, die EnBW als attraktiver Arbeitgeber eingeschätzt. Verbesserungspotenzial zeigt sich in großen Gesellschaften des Unternehmens, insbesondere mit Blick auf Unterschiede zwischen den Hierarchieebenen. Ein Ansatzpunkt ist dabei beispielsweise die Stärkung des bereichsübergreifenden Zusammengehörigkeitsgefühls. Vor allem tiefgreifende Umfeldveränderungen stellen die Kommunikation und Organisation des EnBW-Konzerns vor große Herausforderungen. Die bestehenden Instrumente für den Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen den Mitarbeitern wirken sich positiv auf die Bewertung dieses Faktors aus. Probleme werden weiterhin in der Kommunikation und Organisation an Schnittstellen zwischen Abteilungen, Hierarchieebenen und den einzelnen Gesellschaften in Bezug auf Effizienz, Durchgängigkeit und Klarheit gesehen. Bei der Beurteilung der Innovationsfähigkeit des Unternehmens hat es einen geringfügigen Rückgang gegeben, der insbesondere mit der Einschätzung in den Servicegesellschaften zusammenhängt. In den Geschäftsfeldern Strom und Gas werden Qualität und Quantität der Innovationen als gut bewertet. Verbesserungsmöglichkeiten der Innovationsfähigkeit werden in der Priorisierung und Ressourcenzuteilung, der durchgängigen Planung und Umsetzung sowie der Einbindung von externen Innovationspartnern gesehen.

Beziehungskapital: Bei der Bewertung des Beziehungskapitals musste insbesondere die Einschätzung der Beziehungen zu Kunden Einbußen hinnehmen. Gründe hierfür sind Kundenverluste im B2B-Bereich und zunehmende Potenziale bei der Kundenakquisition und dem Kundenbeziehungsmanagement in dieser Kundengruppe. Diese Entwicklung steht in Zusammenhang mit den deutlichen Preisrückgängen am Markt und der intensiven Wettbewerbssituation. Die vorhandenen Instrumente der Kundenzufriedenheitsanalyse und -bewertung sollten nach Ansicht der Befragten konsequenter eingesetzt werden. Die Beurteilung der Beziehung zu Kooperationspartnern liegt weiterhin im guten Bereich. Die Qualität der Beziehung zu Kooperationspartnern erreichte nahezu das gute Niveau des Vorjahres. Sehr gut bewertet wird die Anzahl der Kooperationsbeziehungen. Gestärkt werden kann der Faktor durch eine intensivere Nutzung der Bewertungssysteme auch für Dienstleister und – ähnlich wie im Vorjahr – eine stärkere Systematisierung des Umgangs mit Kooperationspartnern. Der Faktor Beziehung zu Stakeholdern wurde 2010 etwas besser eingeschätzt als im Vorjahr und erreichte fast ein sehr gutes Niveau. In Bezug auf einzelne Stakeholder-Gruppen sehen die Befragten Verbesserungsmöglichkeiten bei den Beziehungen zu bestimmten Behörden und Ministerien sowie einzelnen Kommunen. Auch das kritische Bild von Energieversorgern in der Öffentlichkeit ist weiterhin ein dämpfender Faktor in der Beurteilung. Für das Beziehungsmanagement zu wichtigen Stakeholdern sollte größerer Wert auf ein konzernweit abgestimmtes Vorgehen sowie ausreichende Ressourcen gelegt werden.

Eine große Bedeutung kommt ebenfalls der Marke EnBW zu. Ein positives Markenimage zu erhalten und auszubauen ist in den Beziehungen zu den Kunden, Partnern und Behörden von großer Bedeutung. Voraussetzung dafür ist eine klare Positionierung der EnBW im intensiven Wettbewerb. Diese Positionierung leitet sich aus der Markenidentität der EnBW ab. Diese strategische Ausrichtung hat dazu geführt, dass die Marke EnBW neben einer sehr hohen Bekanntheit in Baden-Württemberg bei ihren Kunden als erfahrener, zuverlässiger Partner mit regionaler Verankerung geschätzt wird. Das Management des immateriellen Vermögenswerts der Marke zahlt sich somit aus: Das Bild im Kopf des Kunden über die EnBW verstärkt seine Bindung an das Unternehmen.

Ausgangspunkt einer hohen Kundenbindung ist, dass die Kunden in hohem Maß mit ihrem Unternehmen zufrieden sind. Der intensive Wettbewerb hat sich im Jahr 2010 auf die Kundenzufriedenheit und Kundenloyalität der Privatkunden der EnBW ausgewirkt. In den Analysen wurde das gute Niveau des Vorjahres nicht ganz erreicht. Die EnBW konnte sich jedoch in puncto Kundenzufriedenheit vor den nationalen Wettbewerbern RWE, E.ON und Vattenfall platzieren.

 

1 In den Gesellschaften des Bereichs Strom erfolgt die Wissensbilanzierung immer in den ungeraden Jahren, in den Gesellschaften des Geschäftsfelds Gas sowie den Servicegesellschaften in den geraden Jahren. Die Ergebnisse des aktuellen und des Vorjahres werden zu einem konzernweiten Überblick konsolidiert (bestehend aus den Ergebnissen der Wissensbilanzierung in zwölf Konzerngesellschaften). Dieser auf der Ebene der Geschäftsfelder praktizierte Zweijahresrhythmus hat seine Ursache vor allem in der Veränderungsgeschwindigkeit bei der Entwicklung des intellektuellen Kapitals.

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